Yamaneryu

Was ist
Yamaneryu Kobujutsu?

 

Es gibt verschiedene Schulen des Okinawa Kobudo, die heute weit verbreitet sind und oft in Verbindung mit modernem Karate geübt werden. Unter den bekanntesten dieser modernen Traditionen sind die Yabiku-Taira und die Matayoshi Schule. In der Welt des Karate ist Yamaneryu Kobudo heute weit weniger bekannt.

Vergleicht man die bekannten Kobudoschulen mit Oshiro-ha Yamaneryu, so lassen sich unschwer feststellen, dass sie sich signifikant voneinander unterscheiden. Während vermutlich ein ausführlicher Aufsatz notwendig wäre, die Differenzen und ihre Ursachen genauer darzustellen, kann man allgemein sagen, dass diese Unterschiede weitgehend dadurch begründet sind, daß sich Kobudo in Verbindung mit modernem Karate entwickelt hat. Durch ähnliche Mechanismen, durch die auch die alten Selbstverteidigungstraditionen aus Okinawa japanisiert wurden, wurde auch modernes Kobudo in seiner Entwicklung beeinflusst.

Eine Schule, die von diesen modernen Phänomenen unbeeinflusst blieb, war der Stil des Chinen Klans. Obwohl die genaue Entwicklung des Yamaneryu Kobujutsu und vor allem des Bojutsu derzeit nicht vollständig bekannt ist, weiß man, dass die Ursprünge dieses einzigartigen Klan-Stils über Chinen Pechin (1846-1928) zurückverfolgt werden können.

In einem kleinen Dorf namens Samukawa im alten Schloßbezirk von Shuri wurde Chinen Sanda als Sohn eines Kemochi (Pechin-Klasse) während der späten Phase des Ryu Kyu Königreiches geboren. Auch bekannt als Chinen Pechin oder Yamane no Chinen, wie Taira Shinken ihn in seiner "Encyclopedia of Kobudo" (1964) nannte, wurde der Junge in Uchinadi durch seinen Onkel Chinen Sanjin Andaya Pechin (1797-1881), auch bekannt als Aburaiya Yamagusuku, unterrichtet. Ungeachtet seines Könnens in verschiedenen Arten des Bojutsu, favorisierte Chinen die Traditionen von Sakugawa und Shikiyanaka und ist als brillanter Innovator bekannt. Mit dem Bestreben das Lehren fundamentaler Techniken zu erleichtern, entwickelte Chinen drei einzigartige Bo-Übungsformen, die er Shuji, Yonekawa und Shirotaru nannte. Er starb im Alter von 82 Jahren und hinterließ ein reichhaltiges, einzigartiges Vermächtnis.

Unter Chinens bekanntesten Schülern waren Yabiku Moden (1882-1941), Higa Raisuke, Higa Seichiro, Higa Ginsaburo, Akamine Yohei, Maeshiro Chotoku, sein eigener Enkel Masami und sein bekanntester Schüler Oshiro (Ogusuku) Chojo (187-1935), der Lehrer von Meister Kinjo Hiroshi (1919- ), dem Lehrer von Kyoushi Patrick McCarthy.

Der Name Yamaneryu stammt von Chinen Masami (1898-1976), dem Enkel von Chinen Sanda und vereinigt drei einzelne chinesische Schriftzeichen:

1. "Yama" , was Berg bedeutet
2. "Ne", was Grundlage oder Wurzel bedeutet und
3. "Ryu", was für Strom oder Fluss steht.

Der Begriff beschreibt einfach nur den Ort (das Dorf Samukawa, nahe Shuri), aus dem Chinens Tradition kommt.

Trotz der großen Aufmerksamkeit, die Yabiku Moden auf sich zog (weitgehend wegen der Popularität seines Schülers Taira Shinken), war Oshiro Chojo (1887-1935) der deutlichste Befürworter Chinen Sandas zu dessen Lebzeiten. Jedes Jahr am 11. August versammeln sich die Einwohner des Dorfes Chinen, um dem Leben Bushi Shikiyanakas (1780-1841) zu gedenken. Bushi Shikiyanaka war ein bekannter Gefolgsmann von Herrscher Soeishi, der über bemerkenswerte Fähigkeiten im Soeishi-Familien-Bojutsu verfügte. Das Vermächtnis dieses Mannes wurde durch eine Reihe ritualisierter Bo-Übungen weitergegeben, die nachträglich Chinen Shikiyanaka no kon genannt wurden.

Ein Jikideshi von Chinen Sanda, der weitverbreitete Beachtung für die Art und Weise in der er diese Übungen vorführte fand, war Oshiro Chojo. Tatsächlich war Oshiro in den Techniken Bushi Shikiyanakas so bewandert, daß die Menschen aus dem Dorf Chinen ihn jedes Jahr aufforderten, am 11. August eine Vorführung zu Ehren des großen Meisters zu geben. Besonders bekannt wurde Oshiro für seine Vorführung des Shikiyanaka Bo Stils vor der Hirohito-Familie im Jahre 1924. Wie viele Uchinadi-Lehrer vor ihm, lehrte auch Meister Oshiro seine Kampfkunst durch ritualisierte Technikfolgen (kata) und zugehörige Partnerübungen, die Grundtechniken mit den zugehörigen Verteidigungsthemen verbanden.

Durch bestimmte charakteristische Elemente einfach zu erkennen, setzt Yamaneryu Bojutsu schnelle aber kraftvolle runde Bewegungen, klare Muster von schnellen Stößen, vibrierende Körperbewegungen und geschmeidige Fußarbeit ein. Einige sind der Meinung, dass diese Schule mit der Kunst den Speer zu führen (Sojutsu) verwandt ist, jedoch passt die geschmeidige Art der Bewegungen zu denen des alten, aus China stammenden Uchinadi, daß einst im alten Okinawanischen Ryu Kyu Königreich praktiziert wurde.

Yamaneryu Bojutsu bezieht sich auf fünf Kata: Shuji, Shirotaru, Yonekawa, Sakugawa und Chinen Shikiyanaka. Außerdem sind Koryu no kon und Tokumine no kon Bestandteil des Koryu Uchinadi Curriculums.

Neben dem Bo gehören Waffen wie Sai, Tuifa, Kama, Nunchaku, Tinbe & Rochin, Tekko, Eku etc. zum Repertoire des Yamaneryu Kobujutsu. Alle Waffen werden sowohl von Renshi Dirk Thesenvitz, als auch von Renshi Olaf Krey beherrscht und auf Anfrage unterrichtet.

 

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Sakugawa Kanga (1733-1815)
Soeishi Denuchi (1752-1925)

Chinen Sanda (1842-1925)
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Patrick McCarthy (1954- )
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